Ein doppelter Selbstmord

Wenn eine Regierung das Internet kappt, ist das weit mehr als eine technische Störung. In der modernen Welt von heute kommt eine totale Internetsperre einem wirtschaftlichen und politischen Selbstmord gleich:

  • Der wirtschaftliche Kollaps: In einer Zeit, in der der Rial massiv an Wert verliert, zerstört das Abschalten des Netzes die letzte Lebensader der Wirtschaft. Ohne digitalen Zahlungsverkehr, Logistik und Kommunikation bricht das tägliche Überleben der Händler und Familien zusammen. Es ist ein Akt der Verzweiflung, der das eigene Land ökonomisch erdrosselt.
  • Der politische Bankrott: Wer sein eigenes Volk zum Schweigen bringen muss, hat moralisch bereits verloren. Eine Regierung, die die Verbindung zur Welt kappt, gesteht ihre eigene Ohnmacht ein und verliert jede verbliebene Legitimität, im In- wie im Ausland.

Die Stärke der Menschen: Selbsthilfe in der Dunkelheit

Doch gerade in dieser Isolation erleben wir die beeindruckende Resilienz der iranischen Bevölkerung. Der Reisemarkt lebt von Begegnung: Auch wenn das Internet schweigt, finden die Menschen Wege.

  • Nachbarschaftliche Solidarität: Wo Apps versagen, helfen sich die Menschen analog. Sie teilen Lebensmittel, Informationen und Mut.
  • Kreativer Widerstand: Mit bewundernswertem Erfindungsreichtum organisieren sich die Menschen selbst, um der Dunkelheit der Zensur zu trotzen.

Unser Standpunkt

Wir von Perser.reisen glauben fest daran, dass Reisen Brücken schlägt. Aber eine Brücke benötigt ein stabiles Fundament aus Sicherheit und Menschenwürde. Gastfreundschaft kann nicht dort gedeihen, wo Angst den Alltag bestimmt und die Kommunikation unterbunden wird. Daher ist jede gewaltsame Eskalation zu verhindern. Wir sehen hier die Regierung und glauben, dass  ausländische Agenten Einfluss nehmen. Doch dies darf und wird nicht entscheidend sein. 

Wir werden den Iran weiterhin als Reiseziel bewerben. Die Menschen brauchen Einkommen und Arbeitsplätze, dank Tourismus wäre dies sehr gut möglich. Und Tourismus fördert die Verständigung und die Lebensfreude, davon profitiert jeder. Darin gilt unsere volle Solidarität den Menschen vor Ort, deren Mut die wahre Schönheit Persiens ausmacht.




Friedensnobelpreis an den Iran

Der Friedensnobelpreis geht an die iranische Freiheitskämpferin Narges Mohammadi. Er ist ein Nobelpreis gegen das Vergessen, und indirekt möchte man damit Frauen im Iran unterstützen.

Narges Mohammadi kämpft gegen die Todesstrafe. Was ein klares Bekenntnis zur Opposition ist. Wie wir hier Hilfe zur Selbsthilfe verwirklichen wird sich noch zeigen. Jedes Land braucht immer mal wieder Veränderungen; doch gelegentlich belaufen sich Veränderungen lediglich auf «Wunschkonzerte».

Auch deshalb, weil der Grossteil einer Bevölkerung bisweilen keine bestimmten Veränderungen sehen möchte. Denn um Veränderungen überhaupt zulassen zu können, steht an erster Stelle Stabilität. Zu Gunsten von Stabilität sollten bereits im Vorfeld oder spätestens während eines Umbruches annehmbare Alternativen zu jenen Umständen sichtbar sein, die nach entsprechender Veränderung nicht mehr bestünden.

Immer mehr Frauen verzichten im Alltag auf das Kopftuch. Der Iran wird moderner. Ich schüttle den Kopf, wenn sich bei uns “aus Stolz heraus” muslimische Frauen verschleiern. Welches Zeichen senden sie damit aus? Auf der anderen Seite kann ich jene dieser Frauen auch wieder verstehen, in deren Leben sich die Erfahrungen mit Kopftuch mit unzähligen positiven Momenten verknüpfen lassen; diese wuchsen schliesslich mit Kopftuch auf.

Zudem tragen es auch einige gern, da sie es allein für sich persönlich als vorteilhaft erachten, und es ihnen niemand zuvor aufzwang. Dennoch, welches Zeichen senden sie damit aus? Insbesondere welche Signale gegenüber den Geschehnissen im Iran und jenen Frauen, deren Väter oder Männer das Kopftuchtragen aufzwingen.

Der Islam selbst kennt eigentlich keine strikten Kleidervorschriften; es ist lediglich eine Form, welche die Tradition vieler muslimischen Länder bedingt.

Das Ablegen des Kopftuches der Iranerinnen setzt ein Zeichen des Mutes und Aufbruchs. Doch dazu bedarf es eines gesellschaftlich-ausreichenden Verständnisses. Auch «der Westen» benötigt hierfür Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl.

Tagesschau Beitrag zum Friedensnobelpreis

Die Berichterstattung ruft immer noch zum Umsturz auf. Als Touristiker suchen wir die Unterstützung zugunsten eines friedlichen Wandels und zu selbstbestimmtem Leben und persönlicher Freiheit eines jeden Menschen. Bei uns in Europa ist Freiheit oft lediglich eine Frage der finanziellen Mittel und entsprechender Beziehungen. Ohne Geld gestaltet sich das Leben manchmal etwas einschränkend, und zu zahlreichen Anlässen erschwert das den Zugang.

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Anmerkung: Meine liebenswerte Freundin kommt aus Somalia. Alleinerziehend befasst sie sich mit ihren drei Kindern kaum mit den globalen Geschehnissen, auch weil sie sich keinen zusätzlichen Belastungen aussetzen möchte. Von daher ist sie nicht auf dem neusten Stand. Stolz trägt auch sie ihre verschiedenen hochwertigen und farbenfrohen Abaya mitsamt darauf abgestimmten Kopftüchern. «Also immer zuerst das Gespräch suchen und Überprüfen, bevor sich Voreingenommenheit ausbreiten kann!» S. Keller




Kleidervorschriften im Islam

Kleidervorschriften in Religionen entstammen Traditionen. Wer sich gegen eine Tradition auflehnt wird ausgegrenzt, statt Toleranz zu erfahren. Eine Verhüllung empfiehlt der Islam hauptsächlich aus klimatischen Gründen. Im Iran legen die Frauen einen schwarzen Tschador an, der auf die meisten langweilig wirkt.

Das Tragen des Tschadors kann auf Unterdrückung gründen. Wer ein Kopftuch trägt, um seinen (falschen) Stolz zu bewahren, liegt meiner Ansicht nach falsch. Denn gerade im Iran sind jene Frauen mutig, welche auf Kopftücher verzichten. Jener Stolz, um mangelnde Selbstliebe anlässlich Hörigkeit zu vertuschen, um ein falsches Bild von sich künstlich zu erhöhen führt oft zu Hochmut und mangelndem Respekt.

Kleidung im Islam

Kleidungsvorschriften sind demnach ein Mittel zur Unterdrückung. Doch gegen Hitze kann der Tschador sicherlich nützen.

Es besteht ein ästhetisches Missvergnügen gegenüber Bierbäuchen und Hängebusen; jeder sollte sich deshalb allein aus Rücksicht entsprechend kleiden. Doch ein Kopftuch oder eine Kippa? Sind das nicht auch Signale der Ausgrenzung? Oder ein Missionieren inmitten des Alltags? 

Auch beabsichtigt man durch solcherlei Vorschriften Werbung zu betreiben, und von Werbungen haben wir mehr als genug. Religionen sollten nicht missionieren, sondern spirituelle Werte pflegen.




Jugendproteste im Iran

Die Regierung im Iran ist wenig zimperlich mit Protesten und seit Jahren schwellt die Unzufriedenheit. Der Iran ist isoliert und wer im Iran an Demonstrationen teilnimmt riskiert den Tod. Die Exiliraner sind sich einig, es braucht Demokratie. Ein Staat mit Verquickung von Politik und Religion funktioniert nicht. Andererseits, eine Ausgrenzung bringt auch nichts. Man muss mit Mördern reden, diese Aussage vom Präsidenten des Roten Kreuz hat sich bei mir eingebrannt.

In der WOZ steht ein Artikel über Exil Iraner in der Schweiz, sie waren nie mehr im Iran, wurden in der Schweiz zumindest besucht.

Beitrag in der WOZ über Revolution im Iran

Es wird schon helfen, wenn unsere Politik die Menschen in den Vordergrund stellt und weniger die Wirtschaft. Tourismus kann das leisten, doch in einer angespannten Situation ist von jeder Reise in den Iran abzuraten. Nur schlechte Nachrichten aus dem Iran helfen nicht weiter. Es gibt immer Ansätze zu Verhandlungen. Dazu gehört auch, dass wir ganz klar gegen die Diskriminierung der Frau Flagge zeigen. Tourismus kann hier Türen öffnen.

Die kulturelle Zusammenarbeit kann gestärkt werden, z.B. durch Filmvorführungen Schweizer Filme im Iran und eine offene Diskussion. Der familiäre Zusammenhalt im Iran ist stärker, es gibt Werte, von denen wir lernen können. Nur müssen wir darüber reden.

Bei der Regierung im Teheran hoffe ich auf ein Einsehen, den Staat nicht der Religion unterzuordnen. Dazu ist anzumerken, dass religiöse Texte immer unterschiedlich ausgelegt werden und einfach mehr als 1000 Jahre veraltet sind.

Wenn eine Regierung ihre Bürger, sogar Kinder tötet, verliert diese ihre Legitimation.

Aufgrund der Proteste wurde die Sittenpolizei aufgelöst. Nun sollten Neuwahlen folgen, um Platz für neue Ideen zu machen.




Land und Leute

Der Iran ist offiziell eine islamische Republik und wurde historisch als Persien bezeichnet. Heute leben im mehr als 80 Millionen Einwohner und das Land nimmt eine Fläche von ca. 1,6 Millionen Quadratkilometer ein Das Land besteht aus Gebirgen, Wüsten und ist zum grossen Teil auf einer Hochebene von über 1000 m besiedelt.

Iran versteht sich als Gottesstaat und hat Kleiderschriften (für Frauen Kopftuch, lange Kleider oder Hosen, für Männer lange Hosen) sowie Alkoholverbot und Touristen relativ unbekannt. Das Land war international geächtet und ist aufgrund eigener Erfahrung gegenüber Tourismus freundlich gesinnt. Aufgrund fehlender Nachtsclubs, Tanzverbots, etc.  und einer anderen Kultur ist der Tourismus vor allem auf Architektur und Kultur ausgerichtet.

Die Menschen sind sehr gastfreundlich, es wird Ihnen oft passieren, dass Sie zu einen Tee eingeladen werden und hilfsbereit. Der Glauben ist nicht so stark ausgeprägt, wie es oft den Eindruck macht, zudem haben wir kaum verschleierte Frauen gesehen, jedoch wir oft der Tschador übergeworfen. Englisch ist verbreitet, jedoch gestaltet sich die Verständigung schwierig.

Google und viele Internetdienste sind blockiert, selbst Offline Versionen können im Land nicht funktionieren. Das WiFi ist sehr langsam. Für den Kontakt wird Telegram und immer mehr Whatsapp genutzt, doch Achtung Datenroaming ist sehr teuer.

Das Strassennetz ist sehr gut ausgebaut, iranische Strassen zu passieren, ist ein Abenteuern, man muss einfach loslaufen. Alle historischen Stätten sind sehr gepflegt und wenig kommerzialisiert. Wir wissen nicht, wie sich das in den nächsten Jahren entwickeln, hat doch der Iran viele architektonische Juwelen.

Ein wichtiges Ereignis ist die islamische Revolution 1979, die zu eine Religionsrepublik führte, die von schiitischen Geistlichen geführt, aber auch demokratische Elemente beinhaltet. Die Frauen können viele Berufe ausführen und sich frei bewegen, z.B. selbst Autofahren und Einkaufen. Es gilt die Marktwirtschaft, jedoch werden viele Unternehmen und auch grössere Hotels staatlich geführt.

Die internationalen Beziehungen haben wegen den Atomprogamm Irans sehr gelitten und das Land will sich öffnen. Hauptstadt und meistens Ankunftsort ist Teheran, mit ca.  14 Mio, weitere Millionstädte sind Mashhad, Shiraz, Isfahan, Täbriz, Karadez, Ahwaz, Qom, Rashd.

Die Völker im Iran verfügen über alte Traditionen und es befinden sich zahlreiche Unesco Welterben im Iran. Das Land besitzt gigantische Erdgasvorräte und die viertgrössten Erdölvorräte der Welt.